Frankreich

Abschied von Benico

Kein ganz so schwerer Abschied

Zeit zu gehen. Obwohl ich überaus dankbar für die zwei zusätzlichen Wochen bin, die Air France mir ermöglicht hat, fiel der Abschied von Benico nicht ganz so schwer wie befürchtet.
Ich habe diesen Ort lieben gelernt. Dort lief ich den ganzen Tag barfuß rum. War meistens dreckig und verschwitzt von der Arbeit auf den Feldern, hab immer noch blaue Flecken, von denen ich nicht weiß, wo sie herkommen, und schwarze Ränder unter den Nägeln, die ich bislang noch nicht weggewaschen bekommen habe. Das störte dort keine Sau. Die meisten sahen ähnlich aus. Und ich fühlte mich trotzdem wohl.

Es wird mir wohl auch nicht ganz einfach fallen, mich wieder an das zu gewöhnen, was allgemeinhin als normal angesehen wird. An einige dieser Dinge möchte ich mich auch gar nicht wieder gewöhnen. Wir schmeißen viel zu viel weg, kaufen Nahrung für die Mülltonne, Klamotten, die wir dann doch nicht mehr schön finden, und Gadgets, von denen wir glauben, sie unbedingt besitzen zu müssen, obwohl sie völlig unnötig sind.

Dass es auch sehr gut ohne Schminke (frisst zu viel Zeit und Geld) und Parfüm (krieg ich Kopfschmerzen von) geht,

Es war eine schöne Zeit auf der Farm und den Märkten. Für's Erste ist sie vorbei.
Es war eine schöne Zeit auf der Farm und den Märkten. Für’s Erste ist sie vorbei.

hatte ich lange vorher rausgefunden. Dass vieles auch improvisiert funktioniert und man sich immer irgendwie durch wurschtelt, haben mich meine vorherigen Auszeiten gelehrt. Das naturnahe Leben im Camp, bei dem es trotzdem an nichts fehlt (und es auch überhaupt nicht schlimm war, dass wir öfter mit kaltem Wasser duschen mussten), war noch mal ein ganz anderes Level.

Bis zum nächsten Mal

Die wohl größte Herausforderung für mich Einzelgänger war allerdings das ständige Zusammenleben mit mindestens 15 Menschen. Um die Mitte meines Aufenthalts herum hab ich das genossen. Die Menschen, die zu der Zeit dort waren, waren durchweg liebenswert, humorvoll und offen. Doch viele von ihnen sind vor mir weggefahren. Die, die nachkamen, konnte ich nicht ganz so gut leiden. Und es kamen zu viele. Zum Schluss waren wir um die 20.
Ich hab mich oft aufs Feld verzogen und vor mich geunkrautet oder geerntet, um ein bisschen Ruhe zu bekommen. Inzwischen bin ich auf meiner kleinen Lieblingsinsel Lismore angekommen. Da Brasilien ausgefallen ist, hab ich auf Lismore auch mehr Zeit, bin eine Woche früher gelandet, als es ursprünglich der Plan war. Allerdings hat es zwei Tage gedauert, von Frankreich nach Schottland zu kommen.

Mein Flug ab Bordeaux ging morgens. Ich bin dann abends von der Farm weg und hab die Nacht am Flughafen verbracht. In London musste ich umsteigen, hatte sieben Stunden Aufenthalt, weil der Flieger nach Glasgow erst abends ging. Von dort fuhr nach meiner Landung weder ein Zug noch ein Bus nach Oban, sodass ich spontan in ein Hostel bin, in dem ich im vergangenen Jahr schon mal war. Das Hostel war ausgebucht wegen einem Festival in Edinburgh. Und nicht nur das, sondern jedes Hostel und jedes Hotel in Glasgow war voll. Ich durfte die Nacht im Gemeinschaftsraum des Hostels bleiben, durfte dort aber nicht schlafen. Der Rezeptionist hat mich immer wieder daran erinnert. Also blieb ich wach und habe am nächsten Tag den ersten Zug nach Oban genommen und dort am frühen Nachmittag die Fähre rüber zur Insel. Zwar hab ich die Nacht im „Sleepout“ super geschlafen, aber fertig bin ich immer noch.

Viele erste Male

Bei Benico bin ich mir bewusst geworden, was ich dort alles zum ersten Mal gemacht habe, und habe damit angefangen, erste Male zu sammeln. Denn auch nach Benico geht es vermutlich damit weiter.

Dinge, die ich bei Benico und auf dem Weg nach Schottland zum ersten Mal gemacht habe:

  1. unter freiem Himmel duschen,
  2. ein Kompostklo benutzen (und dabei ständig Fliegen am Hintern zu haben),
  3. surfen,
  4. FKK baden und so gut wie nackt Obst und Gemüse verkaufen,
  5. Unkraut essen (es gibt einige Pflanzen, die man essen kann. Zum Teil haben wir sie auf dem Markt verkauft. Es ist nicht so, dass sie mir geschmeckt haben, aber das Wissen kann vielleicht mal nützlich sein.),
  6. Marshmallows am Lagerfeuer karamellisieren,
  7. an einem Flughafen übernachten.

 

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