Caminho Portugues

Bekanntschaft mit der Natur Galiziens

Etappe 12: Von Pontevedra nach Tivo

Das Ende kommt näher.

Der Caminho Português, der in Spanien Camino Português heißt, wird auf den letzten Kilometern offenbar sehr schön. Auf der wieder recht langen Etappe bin ich die meiste Zeit durch alten Wald und zwischen Weinreben hindurch gelaufen. Auf diesen letzten Strecken mache ich die angenehme Bekanntschaft mit der Natur Galiziens.

Das eine oder andere Mal wähnte ich mich weiter nördlich. Ähnliches habe ich in Schottland auch gesehen.

Und die kommt mir erstaunlich bekannt vor. Die Wälder mit ihren kleinen Wasserläufen, die hier und da den Weg kreuzen, könnten locker auch in Schottland sein. Dort hab ich beim Wandern eine ähnliche Landschaft gesehen. Vielleicht haben sich deshalb die Kelten und Wikinger hier so wohl gefühlt. Meinem Wanderführer zufolge sind hier Spuren beider Kulturen gefunden worden. Schon erstaunlich, wie weit sich die Völker damals schon vorgewagt haben.

Über breite Flussläufe haben irgendwelche frühen Kulturen steinerne Brücken gebaut.

Dadurch kommt der heutige Pilger trockenen Fußes ans Ziel. Das Wasser ist immer glasklar. Ich hab Pilger gesehen, die ihre Wasserflaschen darin aufgefüllt haben. In Schottland, sagte man, sollten Wanderer das nicht tun. Könnte ja Schafpipi drin sein. In Galizien sehe ich kaum freies Tierleben abgesehen von streunenden Katzen. Das bisschen Vieh, das in der Landschaft rumsteht, ist meist anpflockt in irgendwelchen Gärten.

Vermutlich ist das Wasser, das von den Hügeln kommt, also bedenkenlos trinkbar. Ich hab es trotzdem nicht probiert. Das muss man auch gar nicht. In den Herbergen kann man morgens am Wasserhahn den Wassersack füllen. Oder man kauft sich einfach eine Flasche in einem der zahlreichen Cafés, die sich entlang des Pilgerwegs angesiedelt haben.

Der Weg wird jetzt richtig voll!

Es sind jede Menge Spanier, oft in großen Gruppen, unterwegs. Zwei deutsche Frauen, denen ich seit Porto immer wieder über den Weg laufe, haben die Route mit einer Autobahn vergleichen. So viel Fußverkehr! Wer ein Pilgerzeugnis in Santiago de Compostela bekommen möchte, muss nachweislich die letzten 100 Kilometer des Wegs gelaufen sein. Da das reicht, machen viele auch nur das. Ihr Gepäck lassen sie dabei von anderen transportieren. Sie tragen nur einen kleinen Tagesrucksack und abends wartet ihr Gepäck in der Herberge auf sie.

Die Massen, was ich so vom bisherigen Weg noch nicht kannte, haben mich dann auch veranlasst, meine Tagesetappe um zwei Kilometer abzukürzen. Statt in Caldas de Reis bin ich in Tivo geblieben. Die Herberge dort hatte einen großen Garten hinten dran. Abends hat der Herbergsvater den Grill für die Gäste angeworfen. Morgens hat er Frühstück gebracht.

Auf dem Weg dorthin bin ich an einem schönen Wasserfall vorbeigekommen.

Das war eindeutig der Höhepunkt dieser Wanderung! Allerdings wird auch diese Stelle touristisch ausgebeutet. Busse stehen auf dem eigens angelegten Parkplatz. Es gibt ein Bistro und viele Sitzmöglichkeiten.

Die Kaskaden bei Briallos, kurz vor Tivo.

Durch Caldas de Reis bin ich am nächsten Tag durchgekommen. Ich hatte ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, dort in einem Hotel zu übernachten und mich richtig verwöhnen zu lassen. Der Ort ist wegen seiner Thermalquellen bekannt. Dem Wanderführer zufolge haben dort schon rheumatische Neandertaler die Symptome ihres Leidens gelindert. Die Römer sollen dann richtige Bäder gebaut haben. Davon abgesehen sticht der Ort aber nicht wirklich hervor.

Es geht wieder gut voran. Obwohl einige Höhen und Tiefen überwunden werden mussten, lässt sich der Weg hier gut laufen. Meinen ursprünglichen Plan, am 17. Juni in Santiago einzulaufen, kann ich einhalten.

 

Die Etappe im Überblick:

Von Pontevedra nach Tivo

21,7 Kilometer

Etwas mehr als vier Stunden (reine Gehzeit)

Unterkunft: eine private Herberge (10 €)

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