Caminho Portugues

Das Ende allen Pilgerns

Etappen 14 & 15: Von Herbón nach Teo nach Santiago de Compostela

Es ist richtig heiß geworden!

Der Weg von Herbón runter nach Padrón und dann weiter in ein kleines Nest kurz vor Teo war alles andere als einprägsam. Ich weiß jetzt, am zweiten Tag nach der Etappe, schon gar nicht mehr, was ich gesehen habe. Ich weiß nur noch, dass es furchtbar heiß war. Das änderte sich auch nicht, als ich einen Tag später in Santiago de Compostela einlief. Für mich ist die Stadt das Ende allen Pilgerns.

Massen trieben sich dort herum. Der Platz vor der Kathedrale, an der mehrere Jakobswege enden, war voller Menschen mit Rucksäcken oder Fahrrädern. Im Schatten der Kirchtürme hatten es sich etliche gemütlich gemacht, denn in der Sonne ist es nicht auszuhalten. Das ist auch das Einzige, was mir von Teo in Erinnerung geblieben ist. Weil die Strecke kurz war, war ich sehr früh in der Herberge. Und das war auch gut so!

Selbst im Schatten war es zu heiß, um draußen zu sein.

Das Convento do Carme in Padrón. Ansonsten ist die Stadt uninteressant.

Ich verkroch mich im Schlafsaal mit den anderen Pilgern, die schon da waren, und wartete auf den Abend – und Abkühlung. Die kam erst mitten in der Nacht. Plötzlich musste ich mich doch zudecken. Das war am Abend nicht nötig. Ähnlich war es auch in Santiago. Eigentlich wollte ich richtig früh los, um noch vor der Hitze am Ziel zu sein. Aber ich konnte mich nicht aufraffen. Also war es schon kurz nach halb acht und das Thermometer zeigte bereits 21 Grad Celsius.

Mittags kam ich auf dem Platz der Kathedrale an. Gelaufen bin ich, wenn irgend möglich, nur im Schatten. Das ging die Kilometer vor Santiago ganz gut. Die Pilger laufen dort durch Wald. Die Bäume bieten einigen Schutz vor der Sonne und es weht auch mal ein frisches Lüftchen.

In Santiago gab es dann nur noch Asphalt.

Selbst im Schatten der Häuser lief nur so der Schweiß an mir runter. An der Kathedrale angekommen hab ich nur den Kilometer-Tracker ausgeschaltet und dann auf Google Maps nach meiner Herberge gesucht. Ich hatte im Wanderführer von der Herberge des Knabeninternats Seminario Menor gelesen. Dort sollte es neben Betten in großen Schlafsälen auch Einzelzimmer geben.

Als ich durch das Tor lief, saßen da schon jede Menge Pilger, Backpacker und andere Reisende und warteten darauf, in die Zimmer gelassen zu werden. Ich war pünktlich genug da und bekam noch ein Einzelzimmer. Nach einer Dusche, die völlig sinnlos war, weil ich sofort wieder durchgeschwitzt war, als ich nur vor die Tür trat, ging ich zu dem Büro, das die Compostela austellt.

Fast zwei Stunden stand ich an!

Blick in einen Schlafsaal in der Albergue Seminario Menor. Ich hatte zum Glück ein Einzelzimmer.

Dafür dass mir irgendeine Frau hinter einem Tresen den finalen Stempel in den Pilgerpass drücke und meinen Namen auf einem Zertifikat eintrug, das sie mir reichte. Das Ganze hat keine fünf Minuten gedauert. Die Stadt hab ich mir an dem Tag nicht so richtig angeguckt. Ich hab nur noch einen Supermarkt gesucht und bin dann zurück in die Herberge.

Eigentlich war ich nämlich nur noch müde. Nach einem ganz kurzen Abendessen bin ich auch gleich aufs Zimmer. Das klingt schneller, als es tatsächlich war. In den vielen Gängen des Hauses habe ich mich auch schon mal verlaufen. Die Nacht war super erholsam und viel zu schnell vorbei. Ich hatte mich für zwei Nächte eingebucht, musste trotzdem morgens raus, weil sie den Trakt abschließen und bis zum frühen Nachmittag sauber machen.

Das gab mir die Zeit, Santiago de Compostela anzugucken.

Aber dazu später mehr. Über mein Einzelzimmer war ich echt froh! Und dass ich noch eins bekommen habe. Die Herberge hat über 170 Betten in den Schlafsälen und Einzelzimmern – und sie war komplett ausgebucht. Wer zu spät kam, musste woanders hin. Reservieren geht nicht, wie bei den meisten Herbergen entlang des Wegs.

Insofern war die Aufteilung mit zwei kleineren Etappen besser, als wenn ich von Herbón direkt nach Santiago durchgelaufen wäre. Viele machen das – und kommen dann nicht nur in der Nachmittagshitze an, sondern finden dann auch nur noch schwer eine günstige Unterkunft.

 

Die Etappen im Überblick

Herbón nach Teo

15,8 Kilometer (inkl. Stadtspaziergang Padrón)

rund dreieinhalb Stunden (reine Gehzeit)

Unterkunft: in einer Herberge (12 €)

 

Teo nach Santiago

15,2 Kilometer

rund drei Stunden (reine Gehzeit)

Herberge eines Knabeninternats (16 €/Nacht im Einzelzimmer)

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