Segeln

Kein Wind in den Segeln

Fast eine Woche lang Flaute

Bei meinem ersten Törn fehlte oft etwas ganz Entscheidendes.

Da ich im Harz-Vorland aufgewachsen bin, hatte ich mit Wasser eher wenig Kontakt. Zu meinem 30. Geburtstag wurde ich dann auf einen Segeltörn eingeladen und dachte mir: Warum nicht? Ein bisschen frischer Wind soll ja gesund sein. Genau den hatten wir aber ganz oft nicht. Für uns hieß es daher: Kein Wind in den Segeln.

Eine Woche hatten wir vier Zeit, von Rügen nach Bornholm, zu den Erbseninsel und zurück nach Rügen zu kommen. Abends wollten wir stets in sicherem Hafen liegen, weil bei Dunkelheit segeln für keinen von uns angenehm war. Es war nur einer an Bord, der schon mal gesegelt ist und seinen Schein hatte. Wir drei anderen waren noch komplett grün hinter den Ohren.

Spiegelglatte See bei der Ausfahrt – wir hätten es ahnen müssen.

Nach der Ausfahrt aus dem Heimathafen haben wir uns alle erst mal mit dem Boot unter Motor vertraut gemacht.

Die Yacht mit drei Kojen hatten wir gechartert. In noch nicht ganz offenem Gewässer vor Lauterbach übten wir erst einmal Wenden fahren, Kurs halten und wie das Boot bei welchem Manöver reagiert. Dann ging es durch die Schifffahrsstraße und raus auf die See. Dort haben wir die Segel gesetzt. Am ersten Tag brachte das auch noch was. Wir segelten um die Kreidefelsen an die nördliche Spitze der Insel und blieben die Nacht im Hafen von Lohme, bevor wir am nächsten Tag die große Überfahrt wagten.

Und an dem Tag verließ uns der Wind. Wir setzten zwar die Segel und guckten uns auch eine Zeitlang das Elend an. Wir kamen kaum vom Fleck. Wenn wir zwei Knoten machten, ist das schon eine optimistische Schätzung. Irgendwann hatten wir die Nase voll; schließlich wollten wir auch mal ankommen. Also Segel eingeholt und Motor angeschmissen. So ging das dummerweise einige Seemeilen, bis wir neue Hoffnung hatten und noch einmal die Tücher aufspannten. Der Erfolg war derselbe, wie beim vorherigen Mal. Wir kamen nicht vorwärts.

So ging das den ganzen Tag bis wir am Abend doch in Rönne festmachten.

Außerhalb von Rönne hat Bornholm echt schöne Seiten.

Ich hab ja kaum einen uninteressanteren Ort gesehen. Dummerweise hatten wir tags drauf mit dem Wind noch mehr Pech. Wir waren quasi an Land festgebunden und mussten zusehen, wie wir die Zeit rum kriegten. Also haben wir uns Fahrräder geliehen und die Umgebung erkundet. Viel war da allerdings nicht zu machen. Es war April und die Saison hatte noch nicht begonnen. Viele Geschäfte und Sehenswürdigkeiten war noch zu.

Am nächsten Tag versuchten wir unser Glück und machten uns auf, auf dem Seeweg die Insel zu umrunden. Das ging meist wieder nur mit dem Motor. Und obwohl wir keinen Wind hatten, waren die Wellen, zumindest für mein damals ungeübtes Auge, riesig. Mir war so schlecht! Ich hab an Heck gesessen mit dem Kopf über dem Wasser, damit ich nicht auch noch das Boot putzen muss, wenn es mir hochkommt.

Wir haben noch ein paar Mal auf Bornholm Station gemacht.

Die Erbseninseln haben wir uns aber gekniffen. Es hatte keinen Zweck. Schließlich sind wir von der Ostseite der Insel wieder zurück nach Rügen – ja, zwischendurch auch mal gesegelt!

Trotzdem wir so gar kein Glück hatten, ging ich noch ein zweites Mal auf einen Törn in der Ostsee und wurde belohnt. Mit mehr Wind ist das Ganze doch etwas anderes.

Dabei hab ich mich mit dem Fieber angesteckt und eine ganze Zeit später auch meinen Segelschein gemacht.

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