Caminho Portugues

Pilgern – das alles beherrschende Thema

Santiago de Compostela bezaubert mit einer wunderschönen Altstadt

Ein Tag reicht aber auch, um sie anzuschauen.

Bei meiner Ankunft in Porto hatte ich mir ein kleines kulturelles Programm auferlegt und meine eigenen Stadtrundgänge mit Infos aus dem Wanderführer und Internet organisiert. In Santiago habe ich nichts davon gemacht. Mir Rundgänge auszudenken, dazu hatte ich vorher keine Lust. Und es war hinterher auch gut so, denn ich war zu müde für Kultur und es war zu heiß. Eines war jedoch schon beim Einmarsch in die Stadt deutlich sichtbar: Es dreht sich alles ums Pilgern – das alles beherrschende Thema.

Zu keine Ahnung wie viel Tausenden fallen sie wöchentlich in die Stadt ein, die Pilger zu Fuß und zu Rad. Die gesamte Wirtschaft der Stadt scheint sich nur um dieses Thema zu drehen. Es gibt Gassen, in denen sich Bar an Bar, Restaurant an Restaurant und Café an Café reiht. An jeder Ecke stehen Straßenhändler mit den immer gleichen Pilgerstäben, den immer gleichen Jakobsmuscheln an Bändern, den immer gleichen Rosenkränzen und den immer gleichen Heiligenfigürchen. Und wem das nicht genug monotone Auswahl ist, der findet genau denselben Tinnef in den Läden rund um die Kathedrale.

Etwas abseits des Hauptplatzes sieht man auch andere Angebote.

An dem guten Stück haben etwa 20 Schmiede gleichzeitig gearbeitet. Das Ergebnis hab ich nicht mehr gesehen. Da war ich schon weg.

So fiel mir an meinem ersten Tag ein Markt ins Auge, der interessant schien. Er wurde in einem umzäunten Gelände abgehalten. Die Marktstände waren in kleinen, steinernen Buden untergebracht. Beim Vorbeigehen dachte ich so: Schau ich mir morgen an. Allerdings war „morgen“ Sonntag – und sonntags hatte der Markt zu. Deshalb stand ich „morgen“ vor verschlossenen Toren. Blöd gelaufen!

Dafür gab es auf einem der Plätze was zu gucken: Mehr als 20 Schmiede aus dem ganzen Land waren nach Santiago de Compostela gekommen und schufen gemeinsam eine große Skulptur. Den genauen Sinn hinter diesem Event hab ich nicht verstanden – die Infos gab es nur auf Spanisch. Und das kann ich jetzt nicht so wirklich. Ich dacht mir nur, dass die zehn Liter Wasser am Tag trinken müssen, weil sie mindestens 15 ausschwitzen in der Hitze. Die wird noch stärker an den offenen Feuern, in denen sie das Metall erhitzten.

Den Schmieden hab ich kurz zugeschaut.

Kleine Häuschen mit schmucken Fassaden und Arkaden bestimmen das Stadtbild in Santiago.

Dann bin ich weiter geschlendert. Stundenlang bin ich einfach nur durch die Altstadt spaziert und hab mich umgeschaut. Das konnte ich tun, ohne einem einzigen Auto ausweichen zu müssen. Nicht einmal Radfahrer sind durch die Gassen geradelt. Allein Fußvolk beherrscht das Pflaster.

Die Altstadt hat ihren ganz eigenen Charme! Vielen der alten und relativ flachen Häusern sind Arkaden vorgesetzt. Im Sommer ist das ein Segen! So ließ es sich die ganze Zeit einigermaßen aushalten, weil immer ein schattiges Plätzchen in der Nähe. Ob die Sommerhitze auch tatsächlich der Grund für diese Architektur ist oder ob einfach nur ästhetische Gründe eine Rolle spielten, weiß ich nicht. Ist mir auch egal. Ich hab nur die Atmosphäre aufgesaugt.

Dasselbe habe ich kurz darauf in Porto auch gemacht.

Mit dem Bus bin ich von Santiago zurück nach Porto gefahren. Etwa vier Stunden hat die Fahrt zurück gedauert. Nachdem ich 14 Tage lang hin gelaufen war…

Da ich wieder einen freien Tag in der Stadt am Douro hatte, war ich draußen unterwegs. Die Hitze hat auch Porto erreicht. Deswegen hab ich mich langsam bewegt. Stundenlang bin ich auch hier nur durch Straßen gelaufen, von denen ich viele bei meinem ersten Besuch nicht gesehen habe. In einer davon reihte sich ein Laden für Kunsthandwerk an den nächsten. In allen haben sie Schmuck verkauft. Gefährliche Sache! Aber ich denke, ich hab nicht übermäßig zugeschlagen.

Meine nächste Station ist Bordeaux.

Allerdings bleibe ich dort nur für eine Nacht. Dann fahre ich weiter nach Mimzan zu meinen Bauern Beni und Nico. Die folgenden etwa fünf Woche verbringe ich im Wald weitestgehend fern von Mobilfunk-Masten und Wi-Fi. Da freue ich mich schon drauf!

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