Caminho Portugues

Zu Gast bei den Franziskanern

Etappe 13: Von Tivo nach Herbón

Der Tag begann mit einem heißen Fußbad.

Nach meinem Aufbruch in Tivo war es nur noch ein Katzensprung nach Caldas de Reis. Die Stadt ist für ihre heißen Quellen bekannt. Ich bin ein paar Portugiesen hinterher gelaufen, die ein öffentliches Becken mit warmem Wasser ansteuerten. Ich hielt da auch meine Füße rein und machte mich danach auf die längere Etappe. Abends war ich zu Gast bei den Franziskanern.

Nach einem heißen Fußbad am Morgen ließ es sich ziemlich gut laufen.

Der Weg dorthin führte mich wieder durch alten Wald, der mich wieder einmal stark an Schottland erinnerte. Der Weg war wieder genauso voll. Und auch die Cafés waren überfüllt. Es liegen nur wenige Kilometer zwischen den einzelnen Cafés und an jedem sitzen zahlreiche Pilger an den Tischen oder auf dem Bordstein. Sie schlürfen Kaffee, Limo oder Bier. Bei der Hitze hätte ich einen Brummschädel, kaum dass das Bier die Kehle runter gelaufen ist.

Kurz vor dem Ziel wich ich vom Weg ab.

Nur für 30 Pilger ist Platz. Wer früh kommt, darf auch bleiben.

Der eigentliche Jakobsweg führt direkt zu der Stadt Padrón. Der Wanderführer schlägt einen Umweg über das Kloster von Herbón vor. Es lohne einen Besuch. Wer will kann die Nacht in der ursprünglichen Herberge dort verbringen. Da hatte ich Lust drauf! 30 Betten stehen zur Verfügung. Als Doppelstockbetten sind sie in kleinen Nischen, nicht größer als Abstellräume, entlang eines langen Flurs angeordnet. Privatsphäre schafft ein Vorhang vor jedem Einlass. Das ist mehr Privatheit als ich in vielen Pilgerherbergen erlebt habe.

Beim Einchecken im Kloster gab es einige Informationen mit auf den Weg. So wurde beispielsweise eine Führung angeboten, an der ich natürlich teilnahm – genau wie alle anderen fast 30 Pilger. Einer der Franziskaner-Brüder führte uns alle herum.

Im Kloster leben noch vier Franziskaner-Brüder.

Der Bruder, der uns führte, bestand darauf, dass sie keine Mönche sind. Mönche leben in einem anderen, viel abgeschlosseneren System. Es geht wohl ums Reisen und die Tatsache, dass Brüder auch in anderen Klöster eingesetzt werden, wenn es dort an Leuten mangelt. Mönche sagte er, leben ständig im selben Kloster. Ich hab keine Ahnung davon.

Je ein Doppelstockbett in 15 Nischen: Verglichen mit einigen anderen Herbergen ist das Luxus…

Er sei jedenfalls von den vieren mit seinen 58 Jahren der jüngste. Der älteste von ihnen ist 96. Neuzugang, vor allem jüngerer, sei jederzeit willkommen, sagte er in Richtung der Männer. Frauen leben separat in einem Kloster an einem anderen Ort. Nach der Führung hätten wir alle auch an einer Messe der vier Brüder teilnehmen können. Das haben aber die wenigsten getan. Zu Abend haben alle Pilger gemeinsam gegessen – an einem langen Tisch, der viel zu klein war. Durch die Enge war es aber besonders leicht, mit seinen Tischnachbarn ins Gespräch zu kommen. Freiwillige des Klosters haben das Essen zubereitet.

Die Nacht versprach unheimlich zu werden.

Auf der Führung erzählte uns der Bruder, dass die Herberge auf einem ehemaligen Friedhof aufgebaut wurde. In der Kirche selbst liegen Franziskaner-Brüder begraben. Nachts sollen sie alle ihren Gräbern entsteigen und Pilger verschleppen, die sich nicht mit Kreuz und Knoblauch vor ihnen schützen.

Ich hab schon schaurigere Märchen gehört. Aber in den alten Gemäuern stecken mit Sicherheit viele Geschichten! In aller Frühe haben uns die Herbergseltern aus den Betten geworfen. Um 6 Uhr wurde Frühstück aufgetischt! Ich hatte nur eine kleine Etappe vor mir. Deshalb hab ich auf dem Weg nach Teo, meiner vorletzten Etappe, eine große Pause einlegen können.

 

Die Etappe im Überblick

Tivo nach Herbón

21,7 Kilometer

rund viereinhalb Stunden (reine Gehzeit)

Unterkunft: in einem Franziskanerkloster (auf Spendenbasis)

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